Logistik – Entwicklung von damals bis heute

Logistik

Das Wort „Logistik“ begegnet uns im Alltag mittlerweile überall. Logistikdienstleister bieten ihre Services an, Logistikzentren werden gebaut, die Logistik ist einer der größten Wirtschaftsbereiche unseres Landes. Doch woher kommt der Begriff und was genau versteckt sich dahinter?
In einer wöchentlichen Serie wollen wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen. Wir werden sehen, wo der Begriff seinen Ursprung hat, die historische Entwicklung insbesondere in Deutschland nachvollziehen, einen Blick auf die aktuelle Situation werfen und Zukunftsvisionen spinnen.

Den Begriff „Logistik“ versteht man heute generell als Prozess- und Informationsflussoptimierung. Er wird auch im Zusammenhang mit militärischen Belangen genutzt. Die älteste bekannte Definition für die militärische Logistik findet sich im Werk des byzantinischen Kaisers Leontos. In „Summarische Auseinandersetzung der Kriegskunst“ (um 900 n. Chr.) beschreibt er unter anderem, dass es Sache der Logistik ist, das Heer zu besolden und auszustatten, den Feldzug räumlich und zeitlich zu planen sowie die Bewegung und Verteilung der Streitkräfte zu disponieren.
Das Wort Logistik kommt wahrscheinlich von dem französischen Wort „logistique“. Es lehnt sich an „logis“ (Quartier) an.

Natürlich gab es logistische Herausforderungen schon immer im Laufe der Menschheitsgeschichte. Der Warenhandel und die Verbreitung von Informationen sind essentielle Grundpfeiler der Zivilisation. Auch kriegerische Auseinandersetzung und die daraus resultierende militärische Logistik gibt es seit Menschengedenken.
Schon der Bau der Pyramiden vor etwa 5.000 Jahren markiert einen der größten logistischen Meilensteine der Geschichte. Ohne die heute bekannten Hilfsmittel mussten tonnenschwere Granitblöcke abgebaut, transportiert und verarbeitet werden. Tausende Arbeitsschritte mussten koordiniert, unzählige Arbeiter beschäftigt und versorgt werden.

Logistik in Deutschland

Neben der militärischen hatte die wirtschaftliche Logistik in Deutschland von jeher große Bedeutung. Heute zählt sie zu einem der größten Wirtschaftsbereiche mit langer Tradition. Bereits im 12. Jahrhundert schlossen sich niederdeutsche Kaufleute zusammen („Hanse“), um die Entwicklung des Transportwesens, insbesondere das zur See, voranzutreiben und ihre wirtschaftlichen Interessen auch im Ausland vertreten zu können. Der Hafen der Hansestadt Hamburg zählt heute zu den größten Umschlaghäfen der Welt. Auch die Etablierung eines Postsystems gehört zu den großen logistischen Errungenschaften, die heute noch Bestand haben. Um 1500 wurde ein für ganz Europa einheitlicher Postbetrieb eingeführt. Mit Erfindung der Dampfmaschine und dem Bau der Eisenbahn ergaben sich noch ganz andere, neue Möglichkeiten für den Warentransport. Die erste Fracht einer deutschen Eisenbahn waren 1836 zwei Fässer Bier. Im Zeitalter der industriellen Revolution versuchte man natürlich nicht nur den externen Warenfluss zu optimieren, sondern auch die innerbetrieblichen Prozesse bei Herstellung, Verarbeitung und Transport von Gütern, zu verbessern. Wir erinnern uns an das Aufkommen von Fließbandarbeit und die Ausbeutung der Arbeiter, um immer mehr in immer kürzerer Zeit und immer billiger produzieren zu können. Heute werden viele dieser Arbeiten von Maschinen übernommen und Gesetze regeln den Schutz der Mitarbeiter. Obwohl sich die Tendenzen früh erkennen lassen, ist der Begriff der Intralogistik noch sehr jung und gehört erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts zum festen Wortschatz der Logistik.
Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden die Eisenbahnen mit neuen Technologien erweitert und dienten als Transportmöglichkeiten, insbesondere für Waffen- und Materiallieferungen. Auch die wirtschaftliche Logistik profitierte von der Übertragung der Konzepte auf den Handel.
Doch der Fortschritt und der Auf- und Ausbau von Transportmöglichkeiten beschränkte sich natürlich nicht nur auf die Schiene und die See. Mit Eroberung des Luftraumes ergaben sich zusätzliche Perspektiven für die Güterbeförderung. Am 19. 08. 1911 hob ein Flugzeug von Berlin nach Frankfurt a.O. ab – mit druckfrischen Exemplaren der Berliner Morgenpost. Das war die erste Luftfracht in der deutschen Geschichte. Der Transport über den Luftweg machte es möglich, schnell und zuverlässig auch verderbliche Waren zu befördern. Das Kapital wird so auch nicht durch einen langen See- oder Landweg gebunden. Die Güter wurden zunächst als Beifracht in Passagiermaschinen verschickt. Ab den 1950er Jahren wurde in Frankfurt am Main das reine Luftfrachtgeschäft aufgebaut. Die Lufthansa führte 1956 innerdeutsche Frachtflüge ein und transportierte ab 1957 Waren auch nach Übersee. Das Potenzial dieser Transportmöglichkeit wurde schnell erkannt, die Flugzeuge wurden größer, der Güterverkehr in der Luft nahm stetig zu. Mittlerweile lässt sich nahezu alles per Flugzeug befördern. Ohne die Luftfracht wäre der Güteraustausch und der globale Handel undenkbar. Frankfurt am Main gehört mittlerweile zu den größten Frachtflughäfen der Welt und stellt zehntausende Arbeitsplätze in der Logistik bereit. Etwa 2,2 Millionen Tonnen Luftfracht werden dort jährlich umgeschlagen.

Autoland Deutschland

In Deutschland werden viel mehr Güter auf den Straßen transportiert als mit der Bahn oder mit Flugzeugen. Die Bahn deckte im Jahr 2016 17,6 % des gesamten deutschen Gütertransports mit 116,2 Milliarden Tonnenkilometern ab. Während in diesem Sektor die Zahlen stagnieren, steigt der Güterverkehr auf den Straßen stetig an.
Transport von Waren über Land, auf Straßen und Wegen gibt es schon tausende von Jahren. Mit Hilfe von Kutschen und Karren beförderten fahrende Händler und Kaufleute ihre Erzeugnisse. Die Entwicklung des Automobils Ende des 19. Jahrhunderts orientierte sich an den bekannten Fortbewegungsmitteln, Kutschen und Fahrrädern; die ersten Autos waren kutschenähnliche, motorisierte Fahrzeuge. 1886 erhielt Karl Benz ein Patent für sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“. Und nur zehn Jahre später stellten Benz und Daimler das erste motorisierte Nutzfahrzeug vor, den Vorläufer des LKWs. Natürlich steckte die Autoindustrie damals noch in den Kinderschuhen, aber das Gefährt mit 4 PS war immerhin schon für 1,5 Tonnen Nutzlast ausgelegt. Mit Weiterentwicklung des Automobils, gerade auch für das Militär in Kriegszeiten, entwickelte sich auch der Transport von Gütern auf den Straßen weiter. Trotz des großen Zusammenbruchs der Industrie nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein unaufhörliches Wachstum des Nutzfahrzeugmarktes. Wir müssen nur mal aus dem Fenster schauen, dann können wir erahnen, wie viele Laster, LKWs, Busse und Kleintransporter jeden Tag auf deutschen Straßen unterwegs sind. Im Jahr 2016 gab es ein Transportaufkommen von etwa 3,6 Milliarden Tonnen.
Auch wenn der Transport ein essentieller Bestandteil der Logistik ist, spielen die zeitliche und räumliche Planung, die Disposition der Güter und Arbeitskräfte und das Be- und Verarbeiten und Lieferungen und das Versandhandling eine große Rolle. Die Arbeitsplätze sind genauso vielfältig, wie die Branche. Als drittgrößter Wirtschaftszweig unseres Landes zählt die Logistik mittlerweile etwa 3 Millionen Beschäftigte.

Lest nächste Woche mehr über die aktuellen logistischen Herausforderungen in Deutschland und mit welchen Problemstellungen sich die Dienstleister der Branche auseinandersetzen müssen.

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